Die westliche Seite  


Die westliche Seite des Postplatzes wird begrenzt von der Einmündungen der Annenstraße und der Marienstraße südlich und der Einmündung der Ostraallee nördlich des Areals. Das markante Eckgebäude des Postamtes Dresden - Altstadt I, welches an Stelle des Goldenen Ringes errichtet wurde und die noch heute dort stehenden Ruinenreste werden ja auf der entsprechenden Seite vorgestellt und sollen, wie ebenfalls das am nördlichen Ausgang einst befindliche Palasthotel, auch dieses hat ja einen besonderen Internetauftritt, nicht weiter bedacht werden. Das links nebenstehende Bild zeigt die Einmündung der Annenstraße mit dem links nebenstehenden Hauptpostamt und auch wieder gut zu sehen ist die sich im Vordergrund befindliche alte Bedürfnisanstalt. Mein Gott, so schön ist sie ja auch wieder nicht, dass sie fast jede Ansichtskarte zieren muss. Aber so ist das nun mal mit Baukörpern, welche im Wege stehen. Uns soll aber mehr der Teil rechts der Einmündung der Annenstraße interessieren. Bis zur Zerstörung und eigentlich auch darüber hinaus bis zum im vorigen Jahr vollzogenen Abbruch des neueren Verkaufspavillons, bestand dieser Teil nur aus kleinen Häuschen, wovon einige noch aus der ersten Bebauung nach der Niederlegung des Wilsdruffer Tores, wenn auch stark verändert, bestanden hatten. Diese Häuschen dienten eigentlich nur Gewerbezwecke und hatten die postalische Eigenart zur Großen Zwingerstraße zu gehören. Verkauft wurden in diesen Büdchen Dinge, die vor allem Laufkundschaft anzogen, so Tabakwaren, ein Schnellimbiss und eine Kaffeerösterei, eine Speiseeishandlung war vorhanden und auch die Gebrüder Pfund waren vertreten. Natürlich konnte man sich bei einem Friseur auch einen neuen Kopp machen lassen, bevor man zur Vorstellung ins Theater schritt. Alle diese Gebäude wurden vollständig zerstört und an dieser Stelle ein Verkaufspavillon errichtet, darüber wird noch zu sprechen sein. Das nächste Bild zeigt die Einmündung der Wettiner Straße. Diese Straße wurde relativ spät angelegt. Nach der Niederlegung der Wallanlagen führte die Hundsgasse, aus der später die Palmstraße hervorging in die Große Zwingerstraße und dann zum Wilsdruffer Torplatz hin, wo sich das Akzisehaus befand. Erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde schließlich am westlichen Ende dieses Verkehrszuges der Wettiner Platz angelegt und somit diese Straße zu einer Ausfallstraße in Richtung Meißen. Widmen wir uns aber der Bebauung zu. Links im Vordergrund sind wieder die pavillonartigen Vorbauten der Großen Zwingerstraße zu sehen, die an der Rückfront der größeren Stadthäuser zu erahnen ist. Bekannt wurde das so genannte Dietrich Haus durch seine später angebrachte Reklametafel, welche insbesondere für die in Dresden ansässige Zigarettenindustrie Werbung machte. Rechts der Wettiner Straße, die heute Schweriner Straße heißt, das damalige Akzisehaus. Später ging daraus der Gambrinus hervor. Weiter rechts befindet sich schon das Areal des Turmhauses, dem späteren Palasthotel Weber und damit wären wir schon bei der dritten Postkartenansicht dieser Seite, die die westliche Bebauung des Postplatzes, links zu sehen. Auch hier wieder, wie hingestellt, die Bedürfnisanstalt im Vordergrunde und wunderschön handkoloriert, daneben links das Akzisehaus und am Ende das Turmhaus. Betrachtet man sich diese alten Ansichtskarten, so fallen einem noch an dieser Stelle vorhandenen Straßenbäume auf. Diese Kastanien stammen noch von der einst angelegten Prachtpromenade und als die letzten dieser Bäume, beginnend im Jahre 1925, fielen; sie standen der Verbreiterung des westlichen Fahrstreifen im Wege, da wurde damals schon großes Geschrei in der Zeitung angehoben und letztlich ein Artikel nur über diese alten Kastanien erfasst. Wer will kann diesen in der SLUB, Dresdner Anzeiger vom 31. März 1928 nachlesen. Kommen wir jedoch zum Akzisehaus. Die Radeberger Exportbierbrauerei wollte sich natürlich, ebenso wie die Waldschlösschenbrauerei mit dem Stadtwaldschlösschen, das Geschäft mit der Laufkundschaft auf diesem verkehrsreichen Platze nicht entgehen lassen und richtete in diesem Gebäude eine Gaststätte, den Gambrinus ein. Dieses Etablissement stand wohl am längsten auf dem Platze. Zunächst wurde das gut gehende Lokal im Jahre 1925 umgebaut, es entstand eine Aussichtsterrasse mit einem herrlichen "Blick über den Verkehrslärm", wie die Bildunterschrift zu diesem Zeitungsbild, aus einer Beilage des Dresdner Anzeiger entnommen. Leider ist die in meinem Besitz befindliche Beilage nur ein Rudiment und ich kann nicht mehr erkennen von wann diese Aufnahme ist, vermutlich aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Blick schweift, vorbei an den genießenden Gästen über das Areal des Postplatzes bis hin zum so genannten Kundehaus am Schnittpunkt Postplatz, Wallstraße und Wilsdruffer Straße. Würde man heute von dieser Stelle, bei einem ordentlichen Glase Bier, muss ja kein Radeberger sein, in diese Richtung schauen, so könnte man den lebhaften Verkehr an der Zentralhaltestelle unter dem "Schmetterling" sehen. Das Einzige was derzeit zum Anschauen auf dem heute tristen Postplatz lohnt. Kommen wir aber zum Gambrinus zurück. An der zur Wettiner (Schweriner) Straße zugewandten Gebäudeseite befand sich bis zur Niederlegung ein Relief, zwar ohne besonders künstlerischen Wert, welches die personifizierte Brauerei und Gastwirtschaft zeigte. Die darunter angebrachte Jahreszahl 1925 wies auf den durchgeführten Umbau der Gambrinusgaststätten, so der offizielle Name hin. Das linke Bild, ebenfalls eine Ansichtskarte, zeigt das Innere des Gambrinus nach diesem Umbau und betrachtet man sich das Bild genauer, so ist eine Ähnlichkeit mit der in der Bombennacht untergegangenen Bärenschenke in der Webergasse nicht zu verleugnen. Braucht man auch nicht, denn beide Lokalitäten zeigten die Handschrift ein und desselben Innenarchitekten. Im Februar 1945 brannte der Gambrinus aus, wurde aber nicht abgerissen sondern vereinfacht wieder aufgebaut und als Gaststätte weiter betrieben. Erst mit der Übergabe des Hauses der Gastronomie endete der Ausschank, das Personal wechselte in ihr neues Domizil und das Gebäude samt der sich einst daneben befindlichen Theater und Konzertkasse wurde ein Fall für die Spitzhacke bzw. der Abrissbirne. Auch die nach ansehnliche teilweise ausgebaute Ruine des Palasthotels verschwand bei dieser Gelegenheit von der Bildfläche. Heute befindet sich, wie schon seit dieser Zeit, nichts mehr an dieser Stelle. Bis zur, Achtung neuer Wortschatz aus der Sophienkirchenseite und damit Satire, vandalistischen Neugestaltung im Jahre 2006 - damit meine ich nicht die interessante Verkehrslösung sondern die nun entstandenen Leere - befand sich zumindest noch die Haltestelle am Orte und ein wenig Grün in Form einer Wiese. Ich habe aber noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass vielleicht doch noch einmal ein Hochbau an dieser Stelle entstehen wird, zumal mit der Umlegung der Straßenbahnverbindung erstmalig ein größeres Areal freigeworden ist und der uralte Traum seit der Bestehung des Wilsdruffer Torplatzes nun verwirklicht werden kann, auch der westlichen Seite ein einheitliches Gesicht zu geben.
Zum Schluss noch eine Betrachtung zum nach dem Kriege errichteten Verkaufspavillon zwischen der Annenstraße und der Schweriner Straße, die den ich oben schon kurz nannte. Anstelle der kriegszerstörten Verkaufshäuschen wurde ein Pavillon errichtet und das erste und wohl einzige Verkaufsgeschäft für Automobile in Dresden eröffnet. Doch halt, natürlich gab es dort keine Autos zu kaufen, sondern mehr oder mehr weniger Ersatzteile. Die mangelnde Bereitstellung der fahrbaren Untersätze in der DDR ist und den mit der Zeit immer länger werdenden Wartezeiten ist ja als allgemein bekannt vorauszusetzen und so stammen wohl die im Vordergrund dieser Ansichtskarte fahrenden PKW vom Typ Wartburg bestimmt nicht von ihrer ersten Ausfahrt aus diesem Hause. Als die Ladenzeilen innerhalb des so genannten Lindehauses entlang der heute wieder so heißenden Wilsdruffer Straße bezogen werden konnte, da wechselte das Autohaus Start, so sein Name, in eines dieser Räume. Die Räume waren größer und wirkten dadurch - noch leerer. Dem half man mit eingebauten Drehscheiben in den Schaufenstern ab, auf den PKWs, allerdings als sattsam bekannte Beratungsmuster, aufgestellt waren und sich im einsamen Laden irgendwie verloren fühlten. Wohl darum verschwand wohl auch diese Mangelpräsentation. Aber ich schweife aus, stellte ja die ganze Sache auch schon einmal in einer entsprechenden Serie des Täglichen Dresdenbildes vor. In den Verkaufspavillon am Postplatz zog nun ein Lebensmittelgeschäft, eines der ersten mit Spät- und Sonntagsverkauf in der DDR.  Damals fand auch noch kein idiotischer Streit über Sinn oder angeblicher Unsinn solch einer Verkaufskultur statt. So kam es auch, dass diese Verkaufstelle auch ab und zu Erwähnung in den Zeitungen hatte, wie diese Überschrift über einen Artikel in der Stadtrundschau vom 2. Mai 1969, Seite 3, zeigt. Anlass war die obligatorische Auszeichnung der 21 Mitarbeiter um den Verkaufsstellenleiter Hermann Ullrich mit dem Staatstitel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit". Verbunden war dies natürlich, heute erinnern wir uns daran mit Lächeln im Gesicht, mit der Verpflichtung noch mehr und noch besser für die Kunden da zu sein und:

    "...Der Sonntag- und Spätdienst brachte und bringt ebenfalls einige Probleme mit sich ... Aber immer gut gelaunt und freundlich gilt für sie der Grundsatz "Alles für den Kunden!". Das zeigt sich in ihrer gesamten Arbeitseinstellung und schlägt sich nicht zuletzt im ökonomischen Ergebnis nieder. So konnte im I. Quartal der Umsatzplan mit 107,2 Prozent erfüllt werden."

Da in der DDR, zumindest offiziell, nicht an der Preisschraube gedreht wurde, stammt da wohl der Umsatz von den immer an solchen Spätverkaufsstellen anwesenden trinkfreudigen Mitbürgern? Zumindest nach 1990 hatte deren Zunahme an dieser Stelle erheblich zugenommen und das bestimmt nicht wegen des angrenzend aufgebauten Biergartens. Auch wurde der Spät- und Sonntagsverkauf dem neuen Betreiber durch irrsinniges Hereinreden wesentlich erschwert und auch nach Vergrößerung der Verkaufsfläche sank immer mehr der Umsatz, so nach seinen Aussagen auf den zum Protest immer wieder aufgestellten Schildern. Mit der Umgestaltung des Postplatzes war auch Schluss mit diesem Geschäft, samt des Biergartens verschwand es von der Bildfläche und heute führt zum Teil die verlängerte und neu erbaute Freiberger Straße samt der Gleisanlagen über dieses Areal hinweg, der andere Teil liegt brach. Nun, wir werden sehen wie und ob sich das Gebiet Hochbaumäßig einmal weiterentwickelt und zur Bereicherung des Lebens auf dem arg geschundenen Postplatz beiträgt.