Das Palasthotel Weber  


Auf einem alten, in meinem Besitz befindlichen, Kopie eines Situationsplan von Dresden aus dem Jahre 1829, Bestandteil einer Dresdner Reisebeschreibung, stehen an der Stelle des späteren Turmhauses neben dem Silberhammer noch kleinere Gebäude und in der Auflistungen der Herbergen ist ein Hotel Turmhaus oder Webers Hotel nicht erwähnt. Man verwies die Gäste zum Neumarkt oder auf die Wilsdruffer Straße. Auch im Plane von Hessler, aus dem Jahre 1837 stammend und im Jahre 1849 revidiert (Bestandteil Löffler, "Das alte Dresden"), befindet sich an dieser Stelle kein größeres Gebäude, allerdings auch nur noch ein Kleineres, da muss dieser Ort schon Baustelle gewesen sein. Löffler selbst schreibt dem Bau des Hauses allerdings um das Jahr 1830 zu. Sei es wie es sei, ein interessantes und größeres Gebäude entstand am damaligen Wilsdruffer Torplatz, das zweite größere Gebäude neben dem schon stehenden Adamschen Hause. Markant war besonders der in Richtung Zwinger gedrehte Turm, welcher dem Hause seinen Namen gab. Auf schon mehreren Ansichten innerhalb dieser Internetpräsentation ist dieses Gebäude in seiner Ansicht vom Postplatz aus zu sehen, links nun eine Sicht aus Richtung Sophienstraße. Straßenbahninteressierten werden wohl besonders die Gleisanlage betrachten, diese werden aber insgesamt in der Seite über den Umbau behandelt werden. Kehren wir zum Turmhaus zurück. derzeit ist mir unbekannt, ob das Haus schon immer als Hotel gebaut wurde, aber ich vermute es mal und so ist dieses Gebäude eigentlich nur, neben dem Namen Turmhaus, unter Webers Hotel bekannt. Die Geschäfte schienen sehr gut zu laufen, die Lage mitten in der Stadt und doch in unmittelbarer Nähe des Zwingers ließen wohl besonders zahlungskräftige Kunden absteigen und so konnte man später zu einem Umbau des Hotels schreiten. Das war im Jahre 1911 und wurde vom damals sehr bekannten Stararchitektenduo Lossow und Kühne durchgeführt, welche kurze Zeit später anstelle des sich daneben befindlichen alten Silberhammers das Schauspielhaus errichten sollte. Das nebenstehende Bild, aus den Beständen der Deutschen Fotothek, zeigt den Beginn dieses Umbaus mit dem Abbruch des Daches. Das dieses Haus dabei seinen markanten Turm verlor, ist zwar schade, aber der damaligen Umbaumanie in der Hotellerie geschuldet. Jeder wollte das größte und beste Gebäude innerhalb der Stadt haben, um einen möglichst großen Teils des Kuchens mit abschneiden zu können. Wohl wissend das der Ruf Dresdens in erster Linie von seinen Kunstschätzen und der sprichwörtlichen Gemütlichkeit seiner Bewohner und nicht von irgend einem Zusatz unterm Ortseingangsschild ausgeht. Da blieb manche Bautradition auf der Strecke. Schon kurze Zeit später öffnete das Hotel als Palasthotel Weber und avancierte mit zum teuersten Herbergsbetrieb, was das Areal zu bieten hatte. Dafür gab es aber auch 150 Zimmer mit 180 Betten, zum Teil mit Bad, Fahrstuhl, Zentralheizung und gar schon einen "Auto-Einstellraum" (1912). Dafür waren aber die Zimmerpreise recht happig, von 4 Mark an, und wurden eigentlich nur noch vom nobleren Hotel Bellevue am Theaterplatz übertroffen (hier kostete die Nacht in einem Zimmer mit eigener Toilette und Bad von 12 Mark an, das waren Preise wie heute im Kempinski). Das links nebenstehende Bild, eine gezeichnete Ansichtskarte zeigt das eigentlich neu erbaut zu nennende Palasthotel, diesmal von den Zwingerpromenaden her gesehen. Für das viele Geld konnte das Haus allerdings, wie schon erwähnt, erheblichen Luxus bieten und die untenstehenden Fotos sind Werbepostkarten entnommen, die wohl nur deshalb vertrieben wurden, um noch mehr potentielle Gäste anzulocken. Besonders interessant finde ich in dieser Sammlung die Einrichtung des Restaurants. In einer runden Ecke eingerichtet konnte man von dieser, bestimmt immer besetzen Sitzgruppe - oder nur exklusiven Gästen vorbehalten, einen Blick auf den Verkehr in der Ostraallee, dem Zwinger und dem abendlichen Strömen der Besucher des Schauspielhauses werfen. Die sich in den darüber liegenden Etagen befindlichen Zimmer waren wohl die teuersten Räumlichkeiten des gesamten Etablissements. Auch die anderen Ansichten auf den Werbepostkarten zeigen die Gediegenheit des Hotelgebäudes, welches von Ernst Binder betrieben wurde und der auch, nach den Adressbüchern, Besitzer dieses gastlichen Gebäudes war. Zu sehen eine ansprechende Diele und die Eingangshalle mit der geschwungenen Treppe hinauf zu den Räumen in die Obergeschosse. Konnte man in eleganter Robe herauf- oder herunterwandeln, wenn man nicht den Lift benutzte, welcher standesgemäß von einem Liftboy betrieben wurde.

 

Jedoch war dieses Hotel, nicht so wie Nobelhotels dann damals in der DDR nur den Gästen, auch der Laufkundschaft offen und so lud Herr Binder auch öfters, jeweils Dienstags und Freitags zum Gesellschaftsabend mit Tanz im Blauen Salon, vergaß aber nie zu erwähnen, der Würde des Hauses gemäß, im dunklen Anzug zu erscheinen. Zum verhaltenen Klappern des Bestecks im feinen Restaurant wurde auch allabendliche Tafelmusik abgehalten. Beides ist aus einen der zahlreichen Anzeigen zu sehen, welche in den goldenen Zwanziger, die allerdings ihren Namen so zu Unrecht hatten, in den Dresdner Tageszeitungen geschaltet wurde. Zwar hatte man den Ersten Weltkrieg verloren, schob dafür der Sozialdemokratie mit ihrer "Dolchstoßpolitik" die Schuld in die Schuhe und hatte gerade die Inflation überwunden. War nun auch nicht mehr Jedermann Millionär, konnte man sich jedoch wieder zeigen, es ging aufwärts und man war wieder wer. Leider wurde dieser Aufwärtstrend schon Jahre später abrupt unterbrochen, man vertraute und wählte schließlich eine totalitäre Partei deren Demagogie viele auf dem Leim gegangen waren und das Ende, nicht nur für das Palasthotel sondern auch für Dresden und ganz Europa ist sattsam bekannt und sollte immer wieder vor Augen geführt werden. Noch sind wir glücklicherweise noch nicht soweit in unserer Betrachtung, sondern wenden uns dem Palasthotel in den späten Zwanzigern zu. Auch für das einfacherer Volk hatte Herr Binder etwas übrig. So gab es in seinem Etablissement die "Palastconditorei", die er an Paul Schröder verpachtete und wo wohl dann vor allem die Kaffeetanten einkehrten und auch unter sich waren, wenn ihre Gatten vom Stadtbummel genug hatten und im Gambrinus bzw. dem Stadtwaldschlösschen einen zur Brust nahmen. Doch halt, auch hier hatte sich der rührige Wirt des Palasthotels etwas einfallen lassen, den Automaten. Auch an anderen Orten der Stadt gab es solche Automatenrestaurants, dem Vorläufer der späteren Selbstbedienungsgaststätten, die mitunter 24 Stunden am Tage geöffnet waren. Das nebenstehende Bild zeigt das Innere des Automatenrestaurants in Webers Hotel. Man trat von der Seite heran, entnahm ein Glas, zapfte oder füllte selber, entnahm seine Speisen aus dem Angebot und zahlte an der Kasse. So neu ist also diese Form der Gastronomie auch wieder nicht.
1945 war Schluss mit allem. Das Gebäude wurde ebenfalls von Bomben getroffen und brannte vollständig aus. In einem Plan der ersten Aufbaujahre ist gar noch von einem Wiederaufbau die Rede, jedoch wendete man sich schnell davon ab. Allerdings richtete man die Ruine als Notunterkunft für Büroflächen ein, die ja damals, ebenso wie Wohnungen, absolute Mangelware waren und ein wenig Gewerbe wurde auch im Erdgeschoss betrieben. Die Gastronomie zog allerdings in den vereinfacht wieder ausgebauten Gambrinus. Das rechte Bild zeigt die ausgebaute Ruine von der Großen Zwingerstraße her gesehen. Besonders interessant ist, dass sich neben anderen Einrichtungen, auch der Stab zum Aufbau des Hauses der Gastronomie niedergelassen hatte und die Kaderabteilung für den Personalbestand der zukünftigen Großgaststätte. So konnte man nochmals, die zwar ausgebrannten, Räumlichkeiten eines Nobelhotels beschreiten um seine Bewerbung für eine Stelle in der zukünftigen HOG Am Zwinger abzugeben. Diese wurde, so wie heute üblich, nicht abgelehnt sondern wohlwollend entgegengenommen. Nach der Eröffnung des so genannten Freßwürfels verschwand auch die ausgebaute Ruine des Palasthotels. Bei einem gleichzeitig erfolgten Umbau des Postplatzes wurde eine Straßenbahntrasse darüber gelegt, die "alte Drei", so benannt nach der dann einst auf diesen Gleisen fahrenden Straßenbahnlinie. Nach deren Einstellung dienten die Gleise als Aufstellfläche, einige Zeit gar als Abstellfläche, mit dem neuerlichen Postplatzumbau verschwanden auch diese und über ödes Pflaster pfeift heute der Wind, aber das hatten wir ja schon.