Die östliche Seite  


Auf dieser Seite soll die östliche Seite des Postplatzes, mit Ausnahme des Stadtwaldschlösschens, der Sophienkirche und das Haus der Gastronomie, welche jeweils eine eigene Seite erhalten, vorgestellt werden. Begrenzt wird er Postplatz im Osten durch die Ecke Sophienstraße und der heute nicht mehr existenten Kleinen Brüdergasse nördlicherseits und der Kreuzung Wisdruffer Straße und Wallstraße südlicherseits des Areals. Man kann also sagen im Zuge der Sophienstraße, welche heute den Rand bildet, bis 1945 stand ja noch das Stadtwaldschlösschen davor. Gerade in den letzten Monaten geriet, bedingt durch durchgeführte Ausgrabungen, dieses Gebiet in die Schlagzeilen. Fangen wir mit dem zuletzt gemachten Fund an, die Auffindung des alten Knüppeldamms der noch angelegt wurde weit bevor eine Art Stadtbefestigung vorhanden war und zeigt, wie sumpfig das Gebiet westlich des frühen Dresdens war. Weit spektakulärer war der Fund eines alten Panzerschrankes. Dieser gehörte zum Hausratsgeschäft Enterlein, welches sich im einstigen Hotel Deutscher Herold etablierte. Das Hotel Deutscher Herold, die nebenstehende Aufnahme zeigt diesen Herbergsbetrieb, war das preiswerteste am Postplatz (nicht in der Innenstadt, wie fälschlicherweise in der Überschrift zu meinem Beitrag dazu in der Sächsischen Zeitung geschrieben steht. Diese Überschrift stammt nicht von mir). Nach einem Stadtführer von 1912 besaß dieses Hotel 48 Zimmer mit 85 Betten. Ausgerüstet mit elektrischem Licht (das war zu dieser Zeit noch ein besonderer Eintrag wert) und Zentralheizung. Die Zimmerpreise begannen ab 2 Mark, das Frühstück 1 Mark und das Diner ab 1,25 Mark. Zum Vergleich das Palasthotel, Zimmerpreis ab 4 Mark, Frühstück 1,50 und Diner 1,75 und 2,50 Mark. Das in der Nähe befindliche Hotel Reichspost bewegte sich preislich zwischendrin. Allerdings ist zu bemerken, dass diese Preise zu der damaligen Zeit ziemlich hoch waren. Die Zimmerpreise einfacherer Hotels begannen schon ab 1 Mark. In Woerls Reisehandbuch Dresden, Ausgabe 1929, ist das Hotel noch angeführt, nun mit einer Zimmerzahl von 50. Etwas später muss der Betrieb eingestellt worden sein, und wie schon geschrieben, residierte in diesem Gebäude bis zur Zerstörung das Haushaltsgeschäft Enterlein. Interessanter ist jedoch das Nachbargebäude zur Wilsdruffer Straße hin. Dies gehörte dem Handelshaus Bargou, welches im Laufe seines Bestehens mit allem Möglichen handelte. Bekannt geworden ist jedoch der Verkauf von Papier, Bürobedarf und Büromöbeln, dem letzten Artikelsortiment vor der Zerstörung. Noch nach 1945 existierte dieses Ladengeschäft, wie viele andere wohlrenommierte Handelsfirmen des alten Dresdens, nun aber in der Zeschaustraße, der heutigen Rudolf Mauersberger Straße. 1945 wurden diese Gebäude dem Erdboden gleichgemacht, die Ruinen abgetragen, auf einem Teil die verbreiterte Ernst Thälmann Straße (heute wieder Wilsdruffer Straße) gelegt und auf dem anderen das Haus der Gastronomie errichtet. Gegenüber der Wilsdruffer Straße befand sich in einem nach der Jahrhundertwende errichteten Neubau das Schneidwarengeschäft Robert Kunde. Das nebenstehende Bild zeigt den Eingang zur Wilsdruffer Straße vom Postplatz her gesehen. Links das Haus Bargou und Söhne, rechts Robert Kunde. Eine der bekanntesten Aufnahmen vom Postplatz. Dieses Gebäude brannte aus, blieb aber nach der Enttrümmerung noch als Ruine stehen. Auch Handelstätigkeit wurde darin betrieben, so erst einmal Robert Kunde selbst mit einer Messerschmiederei (tatsächlich im Gewerberegister so geschrieben), in dieser Zeit des erheblichen Mangels war jedes scharfe Küchenmesser Gold wert, und auch die Fleischerei Otto Renz, deren Besitzer im Jahre 1946 bei einem spektakulären Raubüberfall in seinem Geschäft ums Leben kam. Auch die Handwerkskammer bezog für kurze Zeit dort ihr Domizil. Später wurde die Ruine abgerissen und mit dem Bau des so genannten Lindehauses begonnen. Das heißt, den Namen Lindehaus bekam es erst nachdem die Leuchtwerbung für diese Firma in den 1990er Jahren angebracht wurde. Bis zur so genannten Wende befand sich in diesem Gebäude der Firmensitz des Kombinat Chemieanlagenbau. Im vorgelagerten Erdgeschoss zog jedoch ein Geschäft ein, welches in Dresden ganz hoch in der Gunst stand, das Haus des Buches. Meist mit einer Schlange davor, nein kein Reptil, sondern die sattsam bekannte sozialistische Wartegemeinschaft, deren einzelne Glieder immer auf der Jagd nach Lesbarem jenseits von in Massen auf den Markt geschleuderten Politbürobeschlüssen waren (diese wiederum gibt es heute nur noch in Antiquariaten für nicht wenig Geld, wie sich die Zeiten so ändern.) Leider oft erfolglos. Am 1. Juli 1968 öffnete diese Verkaufsstelle für Lesehungrige, was in großformatigen Anzeigen in der Tagespresse bekannt gegeben wurde. Allerdings schloss dafür die Volksbuchhandlung am Altmarkt, und die Volksbuchhandlung für Wissenschaft und Technik auf der Bautzner Straße. Letztere blieb aber den Leseratten nach Umbau als Antiquariat erhalten, wo man öfters etwas fündiger war als im Haus des Buches und manch seltener Band aus diesem Geschäft ziert noch heute das überquellende Regal in meinem Arbeitszimmer. In die Volksbuchhandlung am Altmarkt zog der Kunstsalon ein. Auch ein interessantes Geschäft, stellte ich ja in der Serie über den Altmarkt im vergangenen Jahr im Täglichen Dresdenbild vor. Nach dem Auszug des Haus des Buches wird zur Zeit in den Räumen mit Küchen und Küchenbedarf gehandelt. Wesentlich günstiger für mich ist jedoch der Aufenthaltsraum für Fahrbedienstete, von dem man eine hervorragende Sicht auf den Postplatz und dem Treiben auf selbigen hat. Aber schauen wir mal wie lange noch, denn immer wieder wird der Abbruch des Lindehauses als Schandfleck gefordert. Nunja. Der heutigen Zeit kann es nicht mehr genügen, jedoch ist in den letzten Jahren am Postplatz schon viel zerstört wurden. Damit meine ich nicht das endliche Verschwinden diverser Baracken oder den längst fällig gewesenen Umbau der Verkehrsanlagen, sondern die entstandene Leere mit ödem Pflaster und ohne jegliche Grünanlagen. Und ob der geplante Neubau an der nördlichen Ecke der Wilsdruffer Straße tatsächlich eine Bereicherung wird, wir werden es sehen. So sollte man doch noch das so genannte Lindehaus stehen lassen, schon des Aufenthaltsraum wegen :-), und vielleicht erst dann an einen Rückbau denken, wenn zumindest einige neue Gebäude den Platz umgeben.