Die Oberpostdirektion - Postamt Altstadt 1  


Eigentlich müsste man beim Betrachten des Gebäudes der Oberpostdirektion vom zweiten Postgebäude auf dem Postplatz sprechen, entstand es ja um der immerwährenden Raumnot Einhalt zu gebieten, was letztlich mehr oder weniger gelang, und um vor allem den sprichwörtlichen Wasserkopf in, nicht nur deutschen, Verwaltungen Unterkunft zu bieten. Aber beginnen wir von vorn.

Im Jahre 1874 wurde schon an einen Umbau, eigentlich einem Neubau, der ziemlich beengten Posthalterei auf der Annenstraße/Am See nachgedacht und auch die ersten Mittel für diese Bauausführung, eine Rate von 180.000 Mark, bewilligt.1) Ein Jahr später wurde mit dem Bau, nun schon unter dem Namen Oberpostdirektion, begonnen und im Jahre 1880 beendet. Nur, lange reichte der Platz und vier Jahre später wurden das Eckgrundstück Annenstraße/Marienstraße angekauft. Auch die beiden Nachbargrundstücke wurden erworben. Auf dem Eckgrundstück, das nebenstehende Bild zeigt die Situation zum Zeitpunktes des Ankaufes, befand sich der "Goldene Ring" und auch die beiden Nachbarhäuser taugten auch nur noch für die Spitzhacke. So zumindest berichtet der Chronist dieser Zeit. Übrigens stolze 900.000 Mark musste die Post für dieses Areal berappen.2) Man sieht, schon damals hatten die Immobilienpreise in der Dresdner Innenstadt schwindelerregende Höhen erreicht. Das war mehr als ein Schlag in die Portokasse und so mussten sich die Postbediensten zunächst mit der Herrichtung der Räume für einen Postbetrieb begnügen. Das geschah allerdings auch mehr schlecht als recht. Allerdings waren da die Grundrisse der Räumlichkeiten und insbesondere die niedrigen Geschosshöhen die Ursache. Aber für die Postangestellten hatte es zu reichen, die oberen Chargen saßen ja in ihrem schönen neuen Postgebäude an der Seestraße. Übrigens, um vorzugreifen, der noch heute in Rudimenten vorhandene Schmuck an der Ruine stammt aus dieser Zeit und nicht, wie vielfach angenommen, vom bald beginnenden Neubau des Hauptpostamtes. Das nebenstehende Bild zeigt einen Teil dieser Ausschmückung, geschaffen von Rudolf Hölbe, nämlich Handel und Industrie über einem Fenster am Flügel zur Annenstraße hin. Aber zum Bau des Hauptpostamtes werden wir noch kommen. Die Misere den interimsmäßigen Poststuben waren einer effizienten Abwicklung der Postgeschäfte mehr als hinderlich und so wurde der Postbaurat Carl Christ Zopff, der schon die neue Oberpostdirektion an der Ecke Annenstraße/Am See ausgeführt hatte, mit der Ausarbeitung und der Bauausführung eines neuen Postamtes beauftragt. Bedingung war, dass sich dieses Postamt harmonisch an die schon bestehende Oberpostdirektion anschließen musste. Allerdings war nun schon die Jahrhundertwende überschritten und es wurde mit der Beendigung der Misere auch endlich Zeit. Im Dezember 1900 begann der Abbruch der alten Gebäude. Was half alles Jammern, die Dienststellen mussten derweil wieder in das traute Heim des früheren Postamtes, welches ja nun Fernsprechamt geworden war. Allerdings war das Murren wohl eher symbolische Meckerei, denn die Bediensteten sahen ja ihr neues Domizil auf der gegenüberliegenden Straßenseite heranwachsen. Schon am 15. Oktober konnten die neuen Räume bezogen werden und auch der Aufbau des zweiten Flügels ging rasch vonstatten. Am 17. März 1906 wurde mit der Eröffnung der Paketannahme der Neubau des Postamtes 1, im allgemeinen Sprachgebrauch Oberpostdirektion genannt - obwohl sich diese wie eh und je in nun so nennenden Altbau an der Straße Am See befand. Das Bild zeigt diesen bis zur Zerstörung die südöstliche Ecke des Postplatzes prägenden Bau und auch das nebenstehende Bild zeigt den figürlichen Schmuck  Nachdem die Technik in ihrem Fortschreiten riesige Sprünge gemacht hatte, reichte auch das alte Postgebäude, das nunmehrige Fernsprechamt, nicht mehr aus und platzte aus seinen Nähten. Ein nochmaliger und auch der letzte Um- bzw. Anbau musste her. Im Hofe des Postamtes 1 entstand ein Neubau in selber Geschosshöhe wie die Hauptgebäude und nahm die damals wohl modernste Technik des Fernsprechverkehres auf. Dieser Teil wurde, da ja im Innenhof stehend und so nicht störend, ohne Schmuck und in Industriearchitektur errichtet. Auch war die Zeit der Jahre 1927/28 ja auch glücklicherweise für solch eine bombastische Stuckauflage auf Häuserfassaden nicht mehr zu haben. Und auch jener Gebäudetrakt hat als einziges die Zerstörung, wenn auch beschädigt, überstanden und steht immer noch am Platze. Nun allerdings leer, die Post bzw. die Nachfolgeeinrichtung für den Fernsprechverkehr hat sich schon längst zurückgezogen, auch aus dem in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbauten Neubau, welcher nun mit blinden Fenstern und verschmiert sich zu einen Schandfleck des Areals um den Postplatz mausert. Die älteren Gebäude der Oberpostdirektion und des Postamtes 1 wurden in der Bombennacht ausradiert und ihre Ruinen größtenteils abgetragen. Nur noch die Grundmauern und Teile der Fassaden des Erdgeschosses blieben stehen und noch ein größerer Gebäuderest des Flügels der Oberpostdirektion an der Straße Am See, wo noch, wie ich schon bemerkte, Rudimente des figürlichen Schmuckes vorhanden sind. Vor nicht allzu langer Zeit hat man im Hofe des Ruinengrundstückes ein wenig aufgeräumt und vor allem den seit der Trümmerberäumung innerhalb der Ruine entlang der Annenstraße beseitigt, welchen man durch die verblendeten Kellerfenster sehen konnte. Was bleibt ist die Hoffnung, dass mit dem geplanten Aufbau der Hochbauten am Postplatz dieser Schandfleck getilgt wird und die Ruinen unter dem Presslufthammer und Abrissbaggern landen. Das wäre wünschenswerter gewesen als der nun vollzogene Abriss des einstigen Centrum - Warenhauses. Vorerst jedoch kündet ein Schildchen vom geplanten Verkauf und man sucht wohl händeringend für einen Käufer für dieses Objekt.