Das Postgebäude  


Wenn auf dieser Seite vom Postgebäude geschrieben wird, so ist damit - für diejenigen die das alte Dresden nur flüchtig aus historischen Ansichtskarten kennen - das spätere Telegrafen- bzw. Fernsprechamt an der Südseite des Postplatzes gemeint. Aber tauchen wir zunächst ein in die Geschichte der Entstehung dieses Posthauses.

Bis zum Jahre 1832 befand sich das Posthaus auf der Landhausstraße und seit dem Jahre 1823 eine kleinere Posthalterei unweit des Wilsdruffer Torplatzes, dem späteren Postplatz, in der Wilsdruffer Vorstadt. Allerdings genügten diese Gebäude längst nicht mehr den Ansprüchen. Dazu ist zu bemerken, dass mit dem Begriff Post damals ja keineswegs das lange Anstehen an irgendeinem Schalter in einem Büroraum zum Zwecke der Briefabgabe oder dem simplen Ergattern von Postwertzeichen verbunden war, sondern das An- und Abgehen von Postkutschen und Frachtwagen, welche damals schon nach einer Art festgelegten Fahrplan in Bewegung gebracht wurden. Dresden, die damals kleine, beschauliche und überschaubare Residenzstadt - dessen mancher Zeitgenosse heute noch nachtrauert - entwickelte sich langsam aber stetig zum Drehkreuz der ankommenden und abgehenden Posten. Namentlich in Richtung Leipzig sowie Nürnberg und Breslau (Wrocław) gingen täglich sowohl gewöhnliche und Eilposten ab. Und der liebe Vater Staat wollte natürlich auch etwas davon haben, die Akzise. Und so musste Gepäck und Fracht ab- und umgeladen werden um einer mehr oder weniger gründlichen Zollrevision zu unterziehen. Auch dies fand vor dem Posthause statt, es ging also ziemlich eng zu und man suchte händeringend um einen Platz für ein neues und größeres Postgebäude, nachdem alle möglichen Versuche des Umbaus oder des Ankaufs schon bestehender Gebäude fehl schlugen. Aus verkehrlichen Gründen scheiterte der Ankauf eines Areals am früheren Seetor bzw. vermutlich aus städtebaulichen Gründen am Theaterplatz, etwa dort wo sich später das alte Hotel Bellevue befand. Lediglich der Platz vor dem abgebrochenen Wilsdruffer Tor war noch als geeignet anzusehen und stand auch ganz oben auf der Wunschliste. Allerdings gab es auch hier Kampf mit der Königlichen Obrigkeit und sicher auch mit der konservativen Dresdner Bevölkerung, denn die angelegten Flanieralleen mit einem schnöden Postgebäude zu verunstalten, womöglich den Lärm der Kutschen und die sattsam bekannten Grobheiten der bestimmt nicht immer ganz nüchternen Postillione zu ertragen, das konnte doch wohl nicht angehen. Letztlich setzte sich aber der Herr Oberpostamtsrat von Loeben doch durch und auf allergnädiglichsten Erlass des König Anton wurde der Bau eines neuen und stattlichen Posthauses auf den Grundmauern der alten Bastion Saturnus genehmigt. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1830 und das damalige sächsische Oberpostamt Leipzig beauftragte den Leipziger Ratsbaumeister Geutebrück mit der Zeichnung der Pläne. Schon im Juli des Jahres 1830 empfing König Anton Geutebrück und Loeben und zu einer Audienz und bestätigte des ausgearbeiteten Plan. Allerdings traten auch schon die ersten Zwistigkeiten auf. Geutebrück wollte sparen, aber die Postdirektion ein besonders schönes Posthaus haben und überließ schließlich die Auswahl der Fassadenverkleidung, entweder wie nach Geutebrück mit Putz, oder wie nach ihren Wünschen mit geschliffenen Sandsteinen dem König:

    "Insofern es indes bei diesem öffentlichen, auf die Dauer von Jahrhunderten berechneten, dem Geschmacksurteile des in- und ausländischen Publikums sehr ausgesetzten Gebäude - auf einem freien Platze und in einer der schönsten Residenzen Deutschlands, wo das Auge sozusagen selbst an den Luxus der soliden Bauaurt gewöhnt ist - vielleicht auf einige Tausend mehr oder weniger Aufwand nicht ankommen dürfte, haben wir es lediglich Ew. Königl. Majestät weisestem Ermessen ehrerbietigst anheim zu geben, was Allerhöchstdieselben in dieser Beziehung allergnädigst anzuordnen für gut und angemessen finden werden."1)

Nun, Jahrhundertlang sollte dann das Gebäude doch nicht stehen und auch mit der Ewigen Königlichen Majestät war es Dezennien später Gott sei Dank vorbei. Zunächst genehmigte, wie schon geschrieben Allerhöchstdieselben das Bauwerk und zwar in der teureren Ausführung, mit Sandsteinverkleidung. Löhnen musste allerdings dann die Post, mit dem Bezahlen der veranschlagten 58.210 Talern hatte seine Majestät nichts am Hute. Und auch Geutebrück zeigte sich enttäuscht und warf letztlich nach Quereleien das Handtuch, der Professor an der Dresdner Kunstakademie Thürmer ließ dann nach seinen Entwürfen den Bau vollenden. Allerdings ohne Sandsteinverkleidung und mit Putzfassade. Ätsch König. Allerdings wurde der Bau, keine Neuerung der heutigen Zeit, teurer als geplant, was aber auch auf eine notwendig gewordene tiefere Gründung und Aufstellung des Westteiles des Gebäudes auf ein Pfahlrost auf 38 Baumstämmen. So genau waren die Risse der alten Bastion wohl doch nicht und die schon genannte Schlamperei bei der Demolation der Festungsanlagen zeigten erste Ergebnisse.

Auch ein lange währender Bau wird irgendeinmal fertig und so wurde das im Stile der Renaissance erbaute Posthaus am 8. Oktober 1832, mit einer Abschlussrechnung von 72.732 Talern übergeben. Das nebenstehende Bild zeigt das Haus kurz nach seiner Fertigstellung. Eine geplante Gastwirtschaft im ersten Obergeschoss wurde nicht verwirklicht, dafür zogen in das Gebäude, wie kann es auch anders sein, die Geldeinnehmer des Staates, die Königl. Sächsische Zoll- und Steuerdirektion mit ein.
War man anfangs zunächst vom Gebäude begeistert, so wurde es schon einige Jahre später, auch auf Grund der stürmischen Entwicklung der Einwohnerzahl Dresdens und auch des damaligen recht umständlichen Prozedere bei der Annahme und Ausgabe von Post und des Einschreibens zur Personenbeförderung, schon wieder ziemlich eng im Gemäuer und so kam es schon 15 Jahre später durch einen Anbau erweitert. Aber auch dieser reichte bald darauf nicht mehr aus, und so plante man wiederum sieben Jahre später ein drittes Geschoss aufzusetzen. Leider wurde diese Aufstockung zu dieser Zeit nicht ausgeführt, hätte diese wohl eher dem Charakter des Gebäudes entsprochen. Jedoch zog nun auch der technische Fortschritt in Form von Telegrafie ein. 1865 stand der erste Telegrafenapparat und die Zuleitungen wurden über an der Südseite des Gebäudes angebrachten Eisenstangen in selbiges hineingeführt. Eine wahrhaft tolle Lösung, aber man muss dies auch mit den Augen der damaligen Zeit betrachten. Überall auf den Dächern konnte man nun Telegrafenstangen sehen und unzählige Drähte zogen sich kreuz und quer über die Dächer der Stadt hin. Die nebenstehende Ansichtskarte zeigt die Bausituation zu dieser Zeit, wenn auch die Leitungszuführung auf dem Bildschirm sicher nicht klar zu erkennen ist. Mit dem Neubau eines Postgebäudes an der Ecke Annenstraße/Am See, drüber wird die nächste Seite berichten, begann die Verwandlung des Postamtes in ein Telegrafenamt, dass heißt, es musste zunächst wieder einmal umgebaut werden. In den Jahren 1893/94 wurde das Gebäude nun doch aufgestockt, zunächst auch noch in einer gefälligen Art. Auch die Telegrafenstangen verschwanden und zur Zuführung der Leitungen wurden links und rechts der Rückfront zwei Einleitungstürme angebaut, welche dann bis 1945 dem Haus, und trotz ihrer 39 Meter Höhe, da an der Rückfront stehend, nicht störend, sein charakteristisches Gepräge gaben. Im Inneren der Türme befanden sich die Treppenanlagen und setzten der ehemals alten engen Treppe im Gebäude ein Ende. Allerdings war die Gründung der Türme wiederum sehr schwierig, ein drei Meter dickes Betonfundament musste gegossen werden. Dieses kam im Jahre 2006, bei der Umgestaltung des Postplatzes, noch einmal kurz ans Tageslicht. Das Bild zeigt die Situation nach diesem Umbau. Aber auch diese Erweiterung reichte schon bald nicht mehr aus. Immer mehr Technik zog in das Gebäude ein und diese war zur damaligen Zeit noch recht schwer. So wurde das Innere des Hauses total umgestaltet, Zeitzeugen sagen allerdings aus, nicht zu dessen Vorteil. Decken wurden angehoben, Träger verstärkt und es kam noch schlimmer. In den Jahren 1910 bis 1912 wurde der dann letzte große Umbau des Hauses vorgenommen, nachdem es seit 1904 den offiziellen Namen Fernsprechamt erhielt. Die vollständige Schließung der einst offenen Rückfront mit einem Gebäude wirkte da noch als am wenigstens störend. Schlimmer waren aber die beiden aufgesetzten Obergeschosse auf den beiden Flügeln zur Wall- und Marienstraße nebst deren Abschluss zum Postplatz hin. Zwar verdeckten diese nun noch mehr die beiden Einleitungstürme, aber irgendwie sah nun das ganze aus, wie ein aufgepfropftes Fabrikgebäude und gereichte der ehemals klar gegliederten Renaissancearchitektur des alten Posthauses nicht gerade zur Zierde. Nach dessen Umbau verabschiedete sich auch das letzte Stückchen reguläre altehrwürdige Post, die Paketannahme, aus dem Haus und das Gebäude diente bis zu seiner Zerstörung als reines Fernsprechamt. Das nebenstehende Foto zeigt einen der Räume für das Fräulein vom Amt, welche sich in der nun vierten Etage des Hauses befand. Besonders gut ist die gewölbte Decke und die zur Aufnahme der Technik eingezogenen Stahlträger zu erkennen.

Im Februar des Jahres 1945 brannte das Gebäude aus und vor allem an der Rückfront traten erhebliche Gebäudeschäden aus. Der östliche Einleitungsturm brach in sich zusammen, der westliche stand zwar noch, jedoch ohne oberen Aufbau, war aber akut einsturzgefährdet. Auch die Fassade war bröckelig und immer wieder kam es zum Absturz von Fassadenteilen. Die Kellerräume wurden jedoch weiterhin genutzt, liefen ja hier die Leitungsstränge zusammen. Im Jahre 1951 verschlechterte sich die ruinöse Bausubstanz rapide, die Fassade zum Postplatz und zur Marienstraße begann sich zu neigen und es musste die Gefahrenstelle schleunigst gesichert oder beseitigt werden. Eine Krisensitzung löste die nächste ab, Geld war keines vorhanden und so blieb nur noch die Niederlegung übrig. Zwischendurch erging an die Bediensteten die Arbeitsanweisung, das Treppenhaus im westlichen Turme ohne stehen zu bleiben zu passieren. Gleichzeitig wurde am Plan für den Abriss, bei laufenden Betrieb in den Kellerräumen, gefeilt. Dann hatte man die Lösung gefunden:

    "Die letzte Geschoßdecke wird unmittelbar hinter dem vorletzten Balken durchgestemmt und die Stahleinlage durchgebrannt. Der letzte noch stehende straßenseitige Schaft soll mit einer Sprengladung zerstört werden, und entlang des durchgestemmten Deckenschlitzes soll eine leichte Sprengladung angebracht werden, um ein Abdrücken des abzubrechenden Gebäudeteiles zu erreichen. Gleichzeitig wird das Stahlbetondach mit Seilzügen von einer Dampfwalze in genügend sicherer Entfernung nach der gewünschten Richtung abgezogen. Das Sprengen und Abziehen muß im selben Augenblick erfolgen. Vorher wird der freistehende Teil der Außenfassade auf ungefähr 3 Fenster Breite abgezogen, um zu vermeiden, daß die abbrechenden Gebäudeteile in gleicher Höhe hängen bleiben und nicht die Hoffront des Mauerwerkes nach den Innenhof zu abdrücken. Auf entsprechende Sicherungsmaßnahmen wurde hingewiesen, insbesondere daß erst die Dachhaut und dann die Decke durchgestemmt werden und sich keinerlei Arbeitskräfte auf dem abzubrechenden Bauteil aufhalten dürfen."2)

Die Sprengungen und der Abriss erfolgten Ende Februar 1952 und am 22. November 1952 überreichte der VEB Baubetriebe dem Rat der Stadt Dresden, Dezernat Bauwesen, die Schlussrechnung über den vollzogenen Abbruch der Ruine. Auf insgesamt 38 Posten, von der Einrichtung der Baustelle, über den Abriss der bis zu 20 Meter hohen Fassade bzw. des über 30 Meter hohen westlichen Einleitungsturmes, bis hin zur Bergung von 13.680 Kg Buntmetall und Sicherung vor Langfingern in verschließbare Behälter, stellte das Unternehmen insgesamt 282.586,72 DM der Stadt in Rechnung.3) Allerdings war ein Posten in dieser Rechnung nicht aufgeführt. 464 DM erhielt die Firma Hans Müller für insgesamt 29 Geldschranköffnungen.4) Ob dieses Geldkassetten und Tresore allerdings spektakulären Inhalt preisgaben, darüber geben die Unterlagen nichts her. Ein großer Teil des Schuttes wurde abgefahren, der noch brauchbare Teil wiederverwertet und vor allem Stahl, Eisen und Buntmetall wurden fein säuberlich getrennt verwahrt und entweder, wenn möglich, in andere Neubauten eingesetzt oder beim Wiederaufbau verwendet. Das Gleiche natürlich auch mit Mauersteinen und Sandsteinquadern. Ein Teil dieser Quader wurde, ob des bevorstehenden Neuaufbaues eines unbedingt notwendigen Hauptpostamtes, unmittelbar an der beräumten Wallstraße zwischengelagert. Neben dem so genannten Kundehaus sollten diese Werksteine ihres Wiedereinsatzes harren. Welche Form eines Postgebäude dann allerdings am Postplatze erstand, darüber wird die Seite über das dritte Postgebäude erzählen, wenden wir uns aber zunächst dem zweiten Bau, dem Bau der Oberpostdirektion zu.