Die Postbaracken  


Nach der Zerstörung der Gebäude des Postplatzes, und somit auch des Hauptpostamtes, diente gerade einmal ein Briefkasten und eine notdürftig wieder hergestellte Telefonzelle dem Zwecke der Kommunikation. Schon bald wurde der Postverkehr mittels eines Verkaufswagens vor der Ruine des Fernsprechamtes abgewickelt, was allerdings mehr als eine Interimslösung war. Wie schon auf der Seite über das Fernsprechamt geschrieben, wurden brauchbare Werksteine nach dessen Niederlegung an der Wallstraße zwischengelagert, um damit ein neues Postamt zu bauen. In der Not der Zeit entstanden Anfangs der 1950er Jahre auf Teilen des Kellersockels des abgerissenen Fernsprechamtes mehrere Baracken, wohl ebenfalls nur als Übergangslösung gedacht. Eine davon, die östliche, bekam sogar ein etwas gefälligeres Aussehen, in ihr spielte sich der Publikumsverkehr ab. Vermutlich wurden für diesen Steinbau auch Quader der abgelegten Trümmerteile des Fernsprechamtes verwendet. Das ist Wahrscheinlich, konnte aber bisher nicht bewiesen werden. Dieser Teil, der auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist, war nun das eigentliche Postamt. Und wie konnte es anders sein, bei der ewig klammen Wirtschaftslage der DDR im Allgemeinen und Dresden im Besonderen, dieses Provisorium hielt sich verdammt lange, verschwand erst im vergangenen Jahr mit der grundlegenden verkehrlichen Umgestaltung des Postplatzes. Allerdings wurde diese Baracke schon eher als Postamt aufgegeben, aber dazu noch später. An den Wänden des offenen Vorraumes befanden sich Briefmarkenautomaten, die wie üblich nie funktionierten und im Inneren ein Schalterraum, wo ab und zu sogar, wie es sich für das Postamt A 1, nach der Einführung der Postleitzahlen 801, und somit dem ersten Postamt der Stadt auch gehört, die Schalter besetzt waren und der Briefkasten eine Nachtleerung aufweisen konnte. Sogar Internationalität herrschte im Postamt, nicht nur Dank der Telefonzelle für handvermittelte Gespräche, sondern auch eines Nebenraumes, wo am Schalter aufgegeben Telegramme sofort an den Adressaten gekabelt wurden. Das heißt, natürlich ging es der Reihe des Einganges nach. Eine Bekannte von mir herrschte in diesem Refugium, und so konnte ich als 10jähriger und technikbegeisterter Junge, diesem Wunderwerk der Technik, auch Fernschreiber genannt, zusehen und durfte gar selbst einmal die Adresse eintippen. Den Text schrieb sie dann, mit wesentlich flinkeren Fingern, aber lieber selbst. Ich hoffe, dass dieser guten Frau ob meiner jetzigen Offenbarung nicht noch nachträgliche Schwierigkeiten wegen Verletzung des Postgeheimnisses und Duldung des Aufenthaltes einer betriebsfremden Person in Amtszimmer, nicht erwachsen. Genug nun aber mit persönlichen Erlebnissen, wenden wir uns den anderen Baracken zu. Diese beherbergten reine Diensträume und waren dem Publikum nicht zugänglich. Interessant war der bis zum Abriss dieser Baulichkeiten der Eingang. Befand sich dieser doch, wie auf dem Bilde zu sehen ist, durch den Rest eines Einganges des zerstörten Fernsprechamtes und an dessen Kanten befanden sich bis zum Schluss die weißen Streifen einer Markierung. Diese sollte bei einem Luftangriff reflektierend den Hinweis zu einem Eingang geben, wie die Aufschriften LSR für Luftschutzraum und NA für Nachrichtenabteilung, die noch heute am Gebäuderest der Oberpostdirektion Am See zu sehen sind. Ach, wären doch wohl lieber diese Streifen und nicht die Gebäude verschwunden bzw. hätte man es lieber nicht nötig gehabt diese Streifen anzubringen. Aber über Schuld und Sühne habe ich mich ja schon auf meiner Borsbergstraßenseite geäußert. Nach der so genannten Wende, als die Nachfolgeorganisation der Deutschen Post, namentlich die Telekom, auch diese Baracke geräumt hatte, wurden die Gebäude noch einmal angehübscht. Allerdings nur im Innern und dienten als Pausenraum für das Fahrpersonal der Verkehrsbetriebe. Nach deren Umzug in das Lindehaus stand auch diese Baracke lange Zeit leer, wurde ein Opfer des Vandalismus und verfiel immer mehr, wie das nebenstehende Bild in einer Aufnahme dieser Baulichkeit an der Seite zur Marienstraße zeigt. Und die Post? Nun, schon in den 80er Jahren hatte sie ja schon ihr Publikumsgebäude am Postplatz aufgegeben und ist in ein größeres Postgebäude in der Nähe des Queckbunnens gezogen. Baulich hatte sich jedoch für das Publikum und auch für die Mitarbeiter kaum etwas geändert, denn auch diese Gebäude bestanden - aus Baracken. Nur waren sie etwas größer, weiter von einem zentralen Platz, welcher auch noch den Namen Postplatz trug, entfernt. Also kurz eine echte Verbesserung im negativem Sinne. Übrigens, hatte ich schon erzählt, dass der Postplatz relativ spät zu seinem Namen gekommen ist? Nach der Niederlegung der Befestigungsanlagen nannte man ihn den Wilsdruffer Platz, im sächsischen Behördendeutsch Wilsdruffer Thorplatz. Nach dem Bau des Posthauses blieb es aber beim Namen Wilsdruffer Thorplatz. Die Dresdner nannten ihn jedoch den Packplatz, ob des dort auf- und umzuladenden Postgutes. Erst sehr spät, im Jahre 1865, also erst 33 Jahre nach der Inbetriebnahme des Postamtes, wurde dieser Platz in Postplatz umbenannt. Bleiben wir aber bei den Baracken des Postamtes am Queckbrunnen. Diese stehen auch schon längst nicht mehr, denn das Postamt - heute nur noch ein etwas größeres Ladengeschäft - bezog einen Neubau in der Annenstraße. Diesmal wieder ein richtiges Steinhaus und unweit des Geländes der alten Posthalterei. Der Postplatz selber kann nach wie vor keine postalischen Anstalten mehr aufweisen, sieht man von einem Briefkasten und der Telefonständer, Zellen kann man ja dazu nicht mehr sagen, ab. Es wäre wünschenswert, wenn bei der hochbaumäßigen Neugestaltung des Postplatzes vielleicht doch Platz für ein, wenn auch nur bescheidenes Postamt, pardon, einer Postagentur, geschaffen würde. Der Name Postplatz soll den selbigen doch wieder einmal zu recht erhalten.

Für Nichtdresdner noch eine Nachbemerkung. Natürlich hat meine Heimatstadt noch andere und größere Postgebäude. Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass zwischen der Niederschlagung des Faschismus und dem Untergang der DDR postalisches Mittelalter in Dresden geherrscht hat. Namentlich die Postämter in Johannstadt, Südvorstadt, Strehlen und weiter größere Vorkriegspostämter wickelten einen erheblichen Teil des Postverkehres ab. In den Jahren 1962/64 wurde an der Otto Buchwitz Straße, die heute wieder den Namen Königsbrücker Straße trägt, ein imposantes Postgebäude errichtet, das Hauptpostamt Neustadt. Dieses Haus kann man getrost als das eigentliche Hauptpostamt Dresdens bezeichnen. Auf diesen Seiten soll es jedoch nicht um Postgeschichte, sondern um die Geschichte des Postplatzes gehen. Vielleicht nimmt sich ein Anderer einmal der Geschichte der Post auf dem Postplatz noch intensiver an. Ich wäre gern an ein weiterführendes Gespräch interessiert.